Posterpräsentation 2026
Posterpräsentation 2026


Schematherapeutische Erweiterungen des Inhibitorischen Lernmodells in der Expositionstherapie

 

Begleitpapier zum Posterbeitrag für die 28. wissenschaftliche Tagung der AVM

 

Abstract

Die Expositionstherapie gilt als zentraler Bestandteil der evidenzbasierten Behandlung von Angst- und Zwangsstörungen und zählt zu den wirksamsten psychotherapeutischen Interventionen. Während ihre Wirksamkeit lange Zeit vor allem durch Habituationsmodelle erklärt wurde, rücken aktuelle lerntheoretische Ansätze die Veränderung von Bedrohungserwartungen, Erwartungsverletzung und inhibitorische Lernprozesse in den Mittelpunkt. Exposition wird dabei nicht primär als Verfahren zur Angstreduktion verstanden, sondern als Prozess aktiven Neulernens, bei dem neue, korrigierende Erfahrungen aufgebaut und langfristig konsolidiert werden.

Aktuelle schematherapeutische Forschungsbefunde weisen darauf hin, dass erfolgreiche Expositionen nicht allein von der Konfrontation mit angstauslösenden Reizen abhängen, sondern auch von den aktivierten Schemata und Modi. Insbesondere aktivierte verletzte Kindmodi/Gefühlsmodi scheinen emotionales Lernen während der Exposition zu beeinträchtigen und mit ungünstigeren Behandlungsergebnissen assoziiert zu sein.

Der vorliegende Beitrag diskutiert den Erwachsenenmodus als möglichen Moderator erfolgreicher Expositionsprozesse. Aus schematherapeutischer Perspektive fördert dieser Modus emotionale Selbstregulation, Selbstmitgefühl, Annäherungsverhalten sowie die Integration neuer Erfahrungen und schafft damit günstige Bedingungen für inhibitorisches Lernen. Der Erwachsenenmodus schafft die Voraussetzung dafür, dass Erwartungsverletzung und inhibitorisches Lernen wirksam werden können. 

Anhand des Konzepts der „Schematherapeutischen Exposition“ wird aufgezeigt, wie Erwartungsüberprüfung, Modusarbeit und Konsolidierung neuer Erfahrungen in einem integrativen Vorgehen verbunden werden können. Die Schematherapie ergänzt das inhibitorische Lernmodell um eine emotionsfokussierte Perspektive und beschreibt Bedingungen, unter denen korrigierende emotionale Lernerfahrungen besonders nachhaltig entstehen und konsolidiert werden können. 

 

Einleitung

Expositionsbasierte Verfahren stellen einen zentralen Bestandteil der evidenzbasierten Behandlung von Angst- und Zwangsstörungen dar. Über Jahrzehnte wurde ihre Wirksamkeit vor allem durch Habituationsmodelle erklärt. Nach dieser Auffassung führt die wiederholte Konfrontation mit gefürchteten Reizen zu einer Reduktion der Angstreaktion, wodurch langfristig eine Symptomverbesserung erreicht wird (Foa & Kozak, 1986).

In den vergangenen Jahren hat sich jedoch ein grundlegender Paradigmenwechsel vollzogen. Aktuelle lerntheoretische Modelle verstehen Exposition nicht mehr primär als Verfahren zur Angstreduktion, sondern als einen Prozess der Erwartungsveränderung und des inhibitorischen Lernens. Das Ziel erfolgreicher Expositionen besteht demnach nicht darin, Angst möglichst schnell zu reduzieren, sondern bestehende Bedrohungserwartungen aktiv zu überprüfen und durch neue Erfahrungen zu ergänzen (Craske et al., 2014; Vervliet et al., 2013).

Diese Entwicklung findet sich auch im aktuellen Manual Erwartungsveränderung und Neulernen bei Ängsten von Neudeck, Heinig, Hummel, im Brahm, Bartnick und Hamm (2025) wieder. Die Autor:innen beschreiben Exposition konsequent als einen Prozess der Befürchtungsüberprüfung. Im Zentrum steht nicht die Frage, ob Angst während einer Exposition sinkt, sondern ob zentrale Befürchtungen überprüft und neue Lernerfahrungen aufgebaut werden können.

Parallel zu dieser Entwicklung gewinnen schematherapeutische Konzepte für die Weiterentwicklung expositionsbasierter Verfahren zunehmend an Bedeutung. Insbesondere Arbeiten der Klinik Pro Persona Overwaal sowie das SCHerp-Modell (Schema Therapy with Exposure and Response Prevention) zeigen, dass die Integration von Modusarbeit, Emotionsregulation und Exposition vielversprechende Ansätze für Patient:innen mit chronischen Angststörungen und komplexen Störungsbildern bietet (Peeters et al., 2021, 2025).

Schematherapie soll dabei nicht als Alternative zum inhibitorischen Lernmodell verstanden werden. Vielmehr kann sie als klinische Erweiterung betrachtet werden, die beschreibt, unter welchen psychologischen Bedingungen inhibitorisches Lernen optimal stattfinden kann.

 

Der Paradigmenwechsel: Von Habituation zu Erwartungsveränderung

Traditionelle Expositionsmodelle gingen davon aus, dass Angst während der Konfrontation möglichst stark aktiviert und anschließend reduziert werden sollte. Die Habituation wurde als zentraler Wirkmechanismus betrachtet (Foa & Kozak, 1986).

Neuere Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass die Höhe der Angstreduktion während einer Exposition nur begrenzt mit langfristigem Therapieerfolg zusammenhängt. Gleichzeitig können erfolgreiche Expositionen stattfinden, obwohl die Angst während der Übung hoch bleibt (Craske et al., 2022).

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den theoretischen Weiterentwicklungen der Expositionsforschung wider. Während das klassische Emotionsverarbeitungsmodell von Foa und Kozak (1986) davon ausging, dass die Aktivierung und anschließende Habituation einer Furchtstruktur den zentralen Wirkmechanismus der Exposition darstellt, zeigen neuere Befunde, dass weder die anfängliche Höhe der Angstaktivierung noch das Ausmaß der Habituation innerhalb einer Sitzung zuverlässige Prädiktoren für den Therapieerfolg sind. Stattdessen rückt zunehmend die Veränderung dysfunktionaler Bedrohungsassoziationen durch widersprüchliche Lernerfahrungen in den Vordergrund. Exposition wird damit weniger als Prozess der Angstreduktion verstanden, sondern vielmehr als aktiver Lernprozess, bei dem bestehende Erwartungen überprüft und modifiziert werden (Neudeck et al., 2025).

 

Das inhibitorische Lernmodell geht davon aus, dass die ursprüngliche Angststruktur nicht gelöscht wird. Stattdessen entstehen neue Gedächtnisspuren, die den ursprünglichen Bedrohungserwartungen widersprechen und diese hemmen. Entscheidend ist daher die sogenannte Erwartungsverletzung („expectancy violation“). Patient:innen lernen nicht, dass Angst verschwindet, sondern dass die erwartete Katastrophe ausbleibt oder bewältigt werden kann (Craske et al., 2014; Vervliet et al., 2013).

Nach aktuellem Verständnis handelt es sich bei der Extinktion nicht um eine Löschung ursprünglicher Lernerfahrungen, sondern um einen aktiven inhibitorischen Lernprozess. Die ursprüngliche Bedrohungsassoziation bleibt grundsätzlich bestehen, wird jedoch durch neu erworbene inhibitorische Gedächtnisspuren gehemmt. Während der Exposition entsteht die Erfahrung, dass die erwartete Bedrohung nicht eintritt. Diese neue Lernerfahrung wird als konkurrierende Gedächtnisrepräsentation gespeichert und kann die Aktivierung der ursprünglichen Furchtstruktur abschwächen, ohne diese vollständig zu ersetzen. Exposition bedeutet daher nicht, Angst zu verlernen, sondern neue Bedeutungen und Vorhersagen über die eigene Bewältigungsfähigkeit und die tatsächlichen Konsequenzen gefürchteter Situationen aufzubauen (Neudeck et al., 2025).

 

Neudeck et al. (2025) beschreiben inhibitorisches Lernen darüber hinaus als einen mehrphasigen Prozess. Zunächst wird die Erfahrung gemacht, dass die erwartete Bedrohung ausbleibt. Anschließend muss diese neue Information konsolidiert und langfristig gespeichert werden. Schließlich wird das Extinktionsgedächtnis in unterschiedlichen Kontexten wieder abgerufen und generalisiert. Die nachhaltige Wirksamkeit von Exposition hängt somit nicht allein von der ursprünglichen Lernerfahrung ab, sondern auch von deren erfolgreicher Konsolidierung und flexiblem Abruf im Alltag.

 

Das Manual von Neudeck et al. (2025) greift diese Entwicklung auf. Vor jeder Exposition werden zentrale Befürchtungen explizit formuliert und anschließend überprüft. 

Die therapeutische Kernfrage lautet nicht: „Wie stark sinkt meine Angst?“ sondern: „Welche Befürchtung überprüfe ich und was habe ich daraus gelernt?“

Damit wird Exposition zu einem Prozess aktiven Neulernens. Angst wird nicht länger als zu beseitigendes Symptom verstanden, sondern als notwendiger Begleiter eines Lernprozesses.

 

Aktuelle Forschung zu Inhibitory Learning und Erwartungsverletzung

Die Weiterentwicklung expositionsbasierter Verfahren wurde in den vergangenen Jahren maßgeblich durch die Forschung zum inhibitorischen Lernen geprägt. Während frühe Habituationsmodelle die Reduktion von Angstreaktionen als primären Wirkmechanismus betrachteten, zeigen neuere Arbeiten, dass erfolgreiche Expositionen vor allem durch die Verletzung dysfunktionaler Erwartungen charakterisiert sind (Craske et al., 2014; Craske et al., 2022).

Nach diesem Modell bleibt die ursprüngliche Bedrohungserwartung grundsätzlich erhalten. Während der Exposition entstehen jedoch neue inhibitorische Gedächtnisspuren, die der ursprünglichen Befürchtung widersprechen und deren Aktivierung hemmen (Vervliet et al., 2013).

Neuere Untersuchungen betonen darüber hinaus die Bedeutung emotionaler Offenheit, Aufmerksamkeitsfokussierung, Kontextvariation und der aktiven Konsolidierung neuer Erfahrungen für den Aufbau stabiler inhibitorischer Gedächtnisinhalte (Craske et al., 2022; Scheveneels et al., 2019).

Die Forschung der letzten Jahre verdeutlicht somit, dass erfolgreiche Expositionen nicht primär durch Angstreduktion gekennzeichnet sind, sondern durch die Qualität des neu erworbenen Lernens. Die Frage verschiebt sich von „Wie viel Angst hatte ich?“ hin zu „Welche neue Erfahrung habe ich gemacht?“

 

Warum Expositionen trotz guter Durchführung scheitern können

Obwohl die Evidenz für Expositionstherapie überzeugend ist, profitieren nicht alle Patient:innen gleichermaßen von diesem Verfahren. Aktuelle Präsentationen der ISST-Konferenz 2026 (Bruinsma & Neijenhuis, 2026) weisen darauf hin, dass erfolgreiche Expositionen nicht allein von der Intensität emotionaler Aktivierung abhängen, sondern von der Qualität des emotionalen Lernens während der Exposition.

Als lernhemmende Faktoren werden insbesondere überwältigende Angst, emotionale Überkontrolle, Sicherheitsverhalten, Vermeidung sowie selbstabwertende innere Dialoge beschrieben. Gemeinsames Merkmal dieser Prozesse ist das Ausbleiben korrigierender Lernerfahrungen.

Aus schematherapeutischer Sicht spiegeln diese Phänomene häufig die Aktivierung maladaptiver Schemata und der daraus entstehenden Modi wider. Insbesondere der verletzte Kindmodus (Gefühlsmodus) scheint hierbei eine zentrale Rolle zu spielen. Erste Befunde deuten darauf hin, dass eine starke Aktivierung dieses Modus mit geringeren Veränderungen emotionaler Überzeugungen während der Exposition und ungünstigeren Behandlungsergebnissen verbunden ist.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass nicht allein die Konfrontation mit einem angstauslösenden Reiz entscheidend ist, sondern die Fähigkeit, die daraus resultierenden Erfahrungen emotional zu verarbeiten und in bestehende Bedeutungsstrukturen zu integrieren.

 

Evidenz für die Schematherapie bei Angststörungen

In den vergangenen Jahren hat sich die Evidenzbasis der Schematherapie deutlich erweitert. Während die Wirksamkeit ursprünglich vor allem für Persönlichkeitsstörungen untersucht wurde, liegen inzwischen zunehmend Befunde für Angststörungen, Zwangsstörungen und chronische komorbide Störungsbilder vor.

Eine Übersichtsarbeit von Jacob und Arntz (2013) kommt zu dem Schluss, dass Schematherapie insbesondere bei komplexen, chronifizierten und komorbiden Verläufen einen vielversprechenden Behandlungsansatz darstellt. Als zentrale Wirkfaktoren werden die Bearbeitung maladaptiver Schemata, die Modusarbeit sowie die Förderung korrigierender emotionaler Erfahrungen beschrieben (Jacob & Arntz, 2013).

Diese Befunde sind insbesondere für expositionsbasierte Verfahren relevant, da viele Patient:innen mit chronischen Angststörungen neben den eigentlichen Angstsymptomen erhebliche Schwierigkeiten in den Bereichen Emotionsregulation, Selbstwert, Selbstmitgefühl und interpersonelles Vertrauen aufweisen. Genau diese Bereiche stehen im Fokus der Schematherapie und könnten erklären, weshalb manche Patient:innen trotz formal korrekt durchgeführter Expositionen nur eingeschränkt profitieren.

Die Integration schematherapeutischer Interventionen in Expositionsbehandlungen erscheint daher sinnvoll.

 

Der Erwachsenenmodus als Voraussetzung inhibitorischen Lernens

Ein zentraler Beitrag der Schematherapie besteht in der Annahme, dass nachhaltige Veränderung besonders dann gelingt, wenn der Erwachsenenmodus ausreichend aktiviert ist. Neuere schematherapeutische Konzepte beschreiben diesen Modus nicht lediglich als unterstützende Ressource, sondern als zentralen Organisator adaptiver emotionaler Lernprozesse.

Der Erwachsenenmodus übernimmt dabei mehrere Funktionen:

  • Wahrnehmung von Emotionen und Körperempfindungen,
  • Regulation emotionaler Aktivierung innerhalb des Window of Tolerance,
  • Validierung verletzlicher Anteile,
  • Begrenzung selbstkritischer und strafender Modi,
  • Förderung von Annäherungsverhalten statt Vermeidung,
  • Konsolidierung und Integration neuer Erfahrungen.

Bemerkenswerterweise entsprechen diese Funktionen weitgehend jenen Bedingungen, die in aktuellen Modellen inhibitorischen Lernens als lernförderlich beschrieben werden. Während moderne Expositionsmodelle die Bedeutung von Erwartungsverletzung, emotionaler Offenheit, Aufmerksamkeitsfokussierung und Konsolidierung betonen, beschreibt die Schematherapie, wie diese Prozesse emotional ermöglicht werden können.

Aus dieser Perspektive erscheint der Erwachsenenmodus weniger als Ergänzung der Exposition, sondern vielmehr als jener Modus, der die Voraussetzungen erfolgreichen inhibitorischen Lernens bereitstellt.

Exposition wirkt demnach nicht allein durch die Aktivierung von Angst, sondern durch die Fähigkeit, neue Erfahrungen bewusst wahrzunehmen, emotional zu verarbeiten und langfristig in bestehende Selbst- und Weltmodelle zu integrieren.

 

Die „Five Steps of Schematherapeutic Exposure“

Vor diesem theoretischen Hintergrund entwickelten Bruinsma und Neijenhuis (2026) die „Five Steps of Schematherapeutic Exposure“. Diese Struktur kann als praktische Operationalisierung inhibitorischen Lernens aus einer schematherapeutischen Perspektive verstanden werden.

 

Schritt 1: Check-in

Zu Beginn wird überprüft,

  • welcher Modus aktuell aktiv ist,
  • welche Exposition durchgeführt werden soll,
  • welches Lernziel verfolgt wird.

Ziel ist die Aktivierung des Erwachsenenmodus und die Herstellung eines lernförderlichen Zustands („Window of Tolerance“).

 

Schritt 2: Validate

Die Angst wird als verständliche Reaktion anerkannt/validiert. Der Fokus liegt auf dem Kontakt zum Verletzlichen Kindmodus (Gefühlsmodus):

  • Wovor habe ich Angst?
  • Was brauche ich?

Gleichzeitig werden selbstkritische, strafende oder schuldindizierende Modi (Innere Kritiker) hinterfragt/begrenzt.

 

Schritt 3: Get Started

Die Exposition erfolgt bewusst aus der Perspektive des Erwachsenenmodus.

Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf:

  • befürchtete Erwartungen,
  • körperliche Empfindungen,
  • Gefühle,
  • persönliche Bedürfnisse,
  • individuelle Werte.

Damit wird die Exposition unmittelbar mit dem Konzept der Erwartungsüberprüfung verbunden.

 

 

Schritt 4: Consolidate

Nach der Exposition erfolgt die bewusste Integration neuer Erfahrungen.

Fragen sind beispielsweise:

  • Was habe ich gelernt?
  • Welche Erwartung wurde widerlegt?
  • Welche neue Botschaften möchte ich festhalten?

Dieser Schritt entspricht unmittelbar den Empfehlungen moderner Inhibitory-Learning-Ansätze zur bewussten Konsolidierung neuer Gedächtnisspuren (Craske et al., 2014; Neudeck et al., 2025). Die schematherapeutische Perspektive erweitert diesen Prozess um die aktive Integration der Lernerfahrung durch den Erwachsenenmodus. Dadurch werden neue Erkenntnisse nicht nur kognitiv registriert, sondern emotional verarbeitet und mit bestehenden Selbst- und Beziehungserfahrungen verknüpft.

 

Schritt 5: Next Step

Abschließend wird die Generalisierung vorbereitet. Neue Lernerfahrungen werden auf zukünftige Situationen übertragen und weitere Expositionsschritte geplant. 

Die fünf Schritte verbinden damit Erwartungsüberprüfung, Modusarbeit, Emotionsregulation und Gedächtniskonsolidierung zu einem integrativen Expositionsmodell.

 

Ein integratives Modell schematherapeutischer Exposition

Aus den dargestellten Konzepten ergibt sich ein integratives Verständnis von Exposition.

Exposition dient nicht primär der Angstreduktion, sondern dem Aufbau neuer Lernerfahrungen. Die Schematherapie erweitert dieses Modell um die Annahme, dass inhibitorisches Lernen nur dann optimal stattfinden kann, wenn emotionale Aktivierung reguliert, dysfunktionale Modi berücksichtigt und der Erwachsenenmodus aktiviert wird.

Die „Five Steps of Schematherapeutic Exposure“ (Bruinsma & Neijenhuis, 2026) stellen somit eine strukturierte Methode dar, um die Prinzipien der Erwartungsveränderung und des inhibitorischen Lernens in einen schematherapeutischen Kontext zu übertragen.

Während das inhibitorische Lernmodell beschreibt, wodurch Exposition wirkt, liefert die Schematherapie ein Modell dafür, unter welchen emotionalen und motivationalen Bedingungen dieses Lernen optimal stattfinden kann. Die schematherapeutische Perspektive ergänzt damit die lerntheoretischen Modelle um eine entwicklungspsychologische und emotionsfokussierte Ebene. Insbesondere die Aktivierung des Erwachsenenmodus könnte dazu beitragen, dass neue inhibitorische Lernerfahrungen nicht nur erworben, sondern auch konsolidiert, erinnert und langfristig in das Selbstkonzept integriert werden.

 

Schlussfolgerung

Der aktuelle Paradigmenwechsel in der Expositionsforschung verschiebt den Fokus von Habituation und Angstreduktion hin zu Erwartungsveränderung, inhibitorischem Lernen und korrigierenden emotionalen Lernerfahrungen. Aktuelle schematherapeutische Befunde legen nahe, dass dysfunktionale Modi diesen Lernprozess beeinträchtigen können, während der Erwachsenenmodus emotionale Selbstregulation, Selbstmitgefühl, Annäherungsverhalten und die Integration neuer Erfahrungen fördert.

Die zentrale Frage erfolgreicher Expositionen lautet daher möglicherweise nicht nur, welchen Reizen sich Patient:innen aussetzen, sondern auch, aus welchem Modus heraus sie lernen. Der Erwachsenenmodus könnte dabei einen zentralen Mechanismus darstellen, über den inhibitorisches Lernen langfristig wirksam wird.

 

Literatur

 

Bild: Erstellt mit KI (ChatGPT)

 

Bruinsma, A., & Neijenhuis, M. (2026, June). Five Steps: Schematherapeutic Exposure - Skills Class, Pro Persona Overwaal, ISST-Conference-Inspire, 2026.

 

Craske, M. G., Hermans, D., & Vervliet, B. (2022). State-of-the-art and future directions for extinction as a translational model for fear and anxiety. Behaviour Research and Therapy, 152, 104069.

 

Craske, M. G., Treanor, M., Conway, C. C., Zbozinek, T., & Vervliet, B. (2014). Maximizing exposure therapy: An inhibitory learning approach. Behaviour Research and Therapy, 58, 10–23. 

 

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Jacob, G.A, Arntz, A. (2013). Schema therapy for personality disorders: A review. International Journal of Cognitive Therapy, 6(2), 171-185.

 

Peeters, N., van Passel B., Hendriks, G-J., Becker, E., Krans, J. (2025). Schema-therapeutic exposure for treatment-resistant anxiety and obsessive-compulsive disorders: A multiple baseline case series design study. Psychiatry Research Case Reports 4, 1-12. 

 

Peeters, N., Stappenbelt, S., Burk W.J., van Passel, B., Krans, J. (2021). Schema therapy with exposure and response prevention for chronic anxiety disorders and comorbid personality pathology. British Journal of Clinical Psychology, 60, 68-76.

 

Neudeck, P., Heinig, I., Hummel, K. V., im Brahm, C., Bartnick, C., & Hamm, A. O. (2025). Erwartungsveränderung und Neulernen bei Ängsten: Ein Manual zur expositionsbasierten Behandlung. Hogrefe.

 

Roediger, E., Valente, M. (2025). Schematherapie. Kontextuell-prozessbasiert-interpersonal. Schattauer. 

 

Scheveneels, S., Boddez, Y., Vervliet, B., & Hermans, D. (2016). The validity of laboratory-based treatment research: Bridging the gap between fear extinction and exposure treatment. Behaviour Research and Therapy, 86, 87-94.

 

Vervliet, B., Craske, M. G., & Hermans, D. (2013). Fear extinction and relapse: State of the art. Annual Review of Clinical Psychology, 9, 215–248.

 

Young, J. E., Klosko, J. S., & Weishaar, M. E. (2003). Schema Therapy: A Practitioner's Guide. Guilford Press.

 


 Mag. Ingrid Dick

 

Klinische- und Gesundheitspsychologin

Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie)

Schematherapeutin und Supervisorin (ISST Zertifizierung)

 

 

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